20. Februar 2021  00:00

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Mit dem E-Tretroller quer durch Gelsenkirchen

Den Weg vom Gelsenkirchener Hauptbahnhof zur Westf├Ąlischen Hochschule in Buer mit dem E-Miet-Tretroller bestreiten. Sven probierte aus, ob dieses neue Fortbewegungsmittel eine gute Alternative zu Auto, Fahrrad, Bus und Bahn darstellt.

Von Sven Lidicky

Mit einem Flyer in der Hand stehe ich an diesem leicht regnerischen Morgen vor dem Gelsenkirchener Hauptbahnhof. Auf dem vom Regen leicht aufgeweichten Faltblatt steht in gro├čer ├ťberschrift ÔÇ×E-Tretroller mieten - Tipps zur Nutzung in GelsenkirchenÔÇť. Ich bl├Ąttere weiter und finde schnell den Verweis zur passenden App. Direkt z├╝cke ich mein Handy, lade mir die App herunter und m├Âchte meine Reise am liebsten direkt beginnen. Doch falsch gedacht! Die App schl├Ągt Alarm, denn ich befinde mich schlie├člich in einer Fu├čg├Ąngerzone und hier d├╝rfen E-Scooter, genauso wie Fahrr├Ąder, bekannterweise nicht fahren. Also stehe ich nun vor der ersten Entscheidung an diesem Tag. Option 1: Ich schnappe mir den erstbesten Roller, der mir in der App angezeigt wird und umfahre die Stadtmitte. Option 2: Ich laufe quer durch die Innenstadt in Richtung Musiktheater und beginne von dort aus meine Fahrt. Nach kurzer ├ťberlegung f├Ąllt meine Entscheidung auf Option 2.

Auf dem Weg zum neuen Startpunkt nutze ich die Zeit, um die App mit allen ben├Âtigten Daten einzurichten. Am Musiktheater angekommen wartet auf mich einer der E-Scooter direkt vor dem Opernhaus. ÔÇ×Scannen Sie den QR-CodeÔÇť, steht auf dem Bildschirm meines Smartphones. Gesagt, getan. Eine gr├╝ne Lampe blinkt am Roller auf, die App belehrt mich kurz und w├╝nscht mir eine gute Fahrt.

Einziger Weg, die Kurt-Schumacher-Stra├če

Da ich solch einen E-Tretroller zuvor noch nie bedient habe, mache ich erst einmal mit dem Ger├Ąt vertraut. Ich stelle mich vorsichtig auf den Roller und dr├╝cke den Gasschalter. ÔÇ×Ein ordentliche BeschleunigungÔÇť, denke ich mir. Der Elektromotor zieht gut an und kann laut Hersteller eine Spitzengeschwindigkeit von 20 Stundenkilometern erreichen.

Somit steht der Fahrt nach Buer nichts mehr im Weg, au├čer vielleicht der Weg. Eine komplett freie Streckenwahl ist nicht erlaubt. Die Karte in der App zeigt mir nur einen bestimmten Weg nach Buer, und zwar die Kurt-Schumacher-Stra├če. Stark befahren, laut und teilweise ohne Radweg. ÔÇ×Na Prima! Das kann spa├čig werden.ÔÇť, fl├╝stere ich vor mich hin, w├Ąhrend ich den Roller langsam in Fahrt bringe.

Es geht auf die Stra├če

Vom Kennedyplatz aus schwinge ich mit dem E-Scooter erstmal auf die Schalker Stra├če. Gl├╝cklicherweise hat es aufgeh├Ârt zu regnen und auf der noch leicht feuchten Seitenstra├če ist derzeit wenig los. Eine gute Voraussetzung um mich mit dem Stra├čenverkehr vertraut zu machen. Ich dr├╝cke den Gashebel mit meinem Daumen nach unten und der Roller nimmt fahrt auf. ÔÇ×Eigentlich ganz entspanntÔÇť, denke ich mir. Der Elektromotor ist so ruhig, dass man durch das geringe Verkehrsaufkommen nur das leichte Zischen der Reifen wahrnimmt, die ├╝ber den nassen Asphalt rollen. Es ist so wenig los, so dass ich erstmalig wage ÔÇ×VollgasÔÇť zu geben.

Erste Hindernisse

Kurze Zeit sp├Ąter habe ich die Berliner Br├╝cke s├╝dseitig erreicht. Nun muss ich mich wohl zwangsl├Ąufig dem Stra├čenverkehr der Kurt-Schuhmacher-Stra├če stellen. Die Br├╝cke selbst besitzt zum Gl├╝ck noch einen Radweg, doch ab der H├Ąlfte der ├ťberf├╝hrung erblicke ich ein Schild, das mir gar nicht gef├Ąllt. Es ist rund, blau und bildet eine Dame mit Kind ab. Richtig geraten! Gehweg. Dass bedeutet f├╝r mich: jetzt geht es auf die Stra├če. Z├Âgernd stehe ich am Stra├čenrand, leicht nerv├Âs und angespannt. Was grade noch gem├╝tlich und ruhig war, ist nun laut und hektisch. Viele Autos, Transporter und LKWs. Einmal kurz durchgeatmet und los gehtÔÇśs. Zwischen den ganzen gro├čen Fahrzeugen f├╝hle ich mich leicht verloren und erdr├╝ckt, Abgasgestank dringt mir in die Nase und mein Unwohlsein steigt immer weiter an. Aus diesem Grund beschlie├če ich nach ein paar Metern schnell wieder zur├╝ck auf den Gehweg zu kommen.

Zu Fu├č ├╝ber die Schalker Meile

Diese Entscheidung zwingt mich, den Roller fortan erst einmal zu schieben. Einen Vorteil bringt dies allerdings mit sich. Ich wei├č nicht, wann ich die sogenannte Schalker Meile jemals so langsam durchschritten habe. In der Regel fahre ich hier mit dem Auto oder der Bahn durch, jetzt erstmals selbst in dieser Kulisse zu stehen bringt auch f├╝r mich eine neue Erfahrung mit sich. Nach ein paar weitere Metern kann es dann allerdings wieder auf dem E-Scooter weitergehen, der n├Ąchste Radweg ist erreicht.

Freie Fahrt bis nach Buer

Von dort an geht meine Fahrt rasant voran. Vorbei an Lippe, Emscher und Veltins-Arena komme ich meinem Ziel immer n├Ąher. Die Wege sind frei, was mich dazu verleitet die vollen 20 km/h auszunutzen. Schnell erreiche ich so den Berger See. Ein kurzer Blick auf die Uhr verr├Ąt mir, dass meine bisherige Fahrtzeit den Wert einer halben Stunde schon ├╝berschritten hat. Um nicht als letzter im Ziel anzukommen, d├╝se ich schnell weiter und erreiche endlich das sehns├╝chtig erwartete Ortsschild mit der Aufschrift Buer. Auch die restliche Strecke l├Ąsst sich mit den E-Roller ohne Probleme ├╝berwinden. Im Nu erreiche ich die Vinckestra├če und kurz darauf die Devesestra├če. Auch die Ampeln spielen mit und geben mir von dort an allseits gr├╝nes Licht.

Das Ziel erreicht

Nach 45 Minuten ist es endlich geschafft, ich habe die Westf├Ąlische Hochschule erreicht. Zwar nicht als erster, aber daf├╝r mit einer Erfahrung, die ich nur ungern missen m├Âchte. Ich beende die Fahrt auf meinem Smartphone, die App bedankt sich im Namen der Umwelt f├╝r meinen Einsatz und schlie├čt die Zahlung ├╝ber PayPal ab. Knapp 10 ÔéČ hat mich die Fahrt vom Musiktheater zur Westf├Ąlischen Hochschule gekostet. Ein etwas happiger Preis im Vergleich zu Bus und Bahn. Aber daf├╝r hat mir dieses Experiment eine Menge Spa├č bereitet.



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Im Seminar "Ressort Lokales" an der Westf├Ąlischen Hochschule Gelsenkirchen haben Studierende in Kooperation mit der WAZ Gelsenkirchen Artikel zu verschiedenen, selbstgew├Ąhlten Themen geschrieben. Diese werden hier und auch in der WAZ Gelsenkirchen ver├Âffentlicht.

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