08. Februar 2021  00:00

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Frische Luft und viel Distanz, aber Corona bremst Sportler aus

Fahrradfahren, Spazieren gehen und Joggen wird erlaubt, sogar in kleinen Gruppen. Individualsportarten wie Golf und Reiten bleiben untersagt. Dass diese beiden Sportarten nicht ausgeĂŒbt oder nur eingeschrĂ€nkt stattfinden dĂŒrfen, wĂ€hrend des Lockdowns, stĂ¶ĂŸt in Gelsenkirchen bei den Sportlern auf UnverstĂ€ndnis.

Von Clara MĂŒller

Gerade beim Golfen sind die Spieler immer an der frischen Luft mit unglaublich viel Platz, zum Beispiel auf der großzĂŒgigen Anlage des Golfclubs Haus Leythe in Gelsenkirchen-Resse. „Die Abschlagboxen haben eine GrĂ¶ĂŸe von vier mal viereinhalb Meter. Es ist ausreichend Abstand zum NĂ€chsten vorhanden, wenn man nur jede zweite Box benutzen wĂŒrde, hĂ€tte man acht Meter Abstand“, erklĂ€rt der Leiter der Golfschule Herr BĂŒttner.

AbstÀnde von 500 Metern bis zu einem Kilometer

„Auf unserem Platz durften bis zum Lockdown Zweiergruppen im Zehn-Minuten-Takt starten, zwischen den Teams gab es immer einen Abstand von 500 oder gar 1000 Metern“, Ă€rgert sich einer der Trainer, der in diesem Artikel anonym bleiben möchte. Denn auch die Nachverfolgung hatte der Club im Griff, alle Spieler haben sich immer in Listen eingetragen. „In keinem öffentlichen Park hat man bei Gruppenbildung die Sicherheit der Nachverfolgung, vom Stadtbummel vor dem Lockdown ganz zu schweigen.“

Zudem ist der Golfunterricht ihr Hauptberuf und fĂŒr den Leiter ebenfalls seine wirtschaftliche Existenz. Die Einnahmen fĂŒr das GelĂ€nde der Golfschule kommen ĂŒber die vom Spieler geschlagenen BĂ€lle in der Abschlagsbox, diese muss jeder vor seiner Trainingseinheit bezahlen. Bei Spielverbot entfĂ€llt diese Bezahlung. „Das ist aber nicht der einzige finanzielle Verlust, unsere Unterrichtseinnahmen mĂŒssen wir auch noch ausgleichen.“

Auf dem Reiterhof ist der Schulbetrieb die Haupteinnahmequelle

Nicht nur im Golfsport stoßen bestimmte Pandemie-Regeln auf UnverstĂ€ndnis, auch der Reitsport ist betroffen. Beim Besuch auf dem Hof von Iris RĂ€ther, erste Vorsitzende der Reitgemeinschaft RĂ€ther am Stadtwald e.V., steht Desinfektionsspray bereit und ĂŒberall hĂ€ngen Zettel mit den aktuellen Corona-Regeln. „Wir haben einen Stundenplan erstellt, bei dem nur noch legitimierte Personen ein Zeitfenster von zwei Stunden bekommen, dadurch verhindert man das Entstehen von Ansammlungen, denn schließlich brauchen die Tiere weiterhin Betreuung.“

Der Schulbetrieb sei Iris` Haupteinnahmequelle fĂŒr die ganzen Unterhaltungskosten des Hofes. Dass kein Unterricht stattfinden dĂŒrfe, könne irgendwann zu katastrophalen Auswirkungen fĂŒhren, da die Kosten fĂŒr die Pferde und alle weiteren Betriebskosten weiterlaufen. Und jetzt treffe es sie schon zum zweiten Mal.

Beim Reiten ist es nicht möglich keinen Abstand zu wahren

Iris kann nicht nachvollziehen, warum nicht wenigstens Einzelunterricht stattfinden darf. „Beim Reiten werden Abstandsregeln automatisch eingehalten, allein schon aus SicherheitsgrĂŒnden.“ Außerdem gibt es auf dem Hof in Resse eine gut belĂŒftete Reithalle und die Trainerin weiß: „Im Einzelunterricht hat man ja gar keinen Kontakt mehr zu Pferd und Reiter.“

Iris RĂ€ther hofft nun auf den Einsatz des WestfĂ€lischen Pferdesportverbandes, der eine ErlaubnisfĂŒr den Einzelunterricht erreichen will. Noch aber steht das Ergebnis aus. Wenn der Lockdown zu lange anhĂ€lt oder noch mehrere folgen, wird es mit der finanziellen Erhaltung irgendwann schwierig. „NatĂŒrlich kann man ein Tier zur Not verkaufen, aber das wĂŒnscht sich niemand“, erklĂ€rt Iris. Sie weiß aber auch: „Alle haben derzeit Einbußen, und man kann nicht nur an sich denken.“

Iris will fĂŒr ihren Hof und Verein kĂ€mpfen, „bis es nicht mehr geht“. Und sie weiß dabei, dass Sie eine starke Reitgemeinschaft an ihrer Seite hat, die sie unterstĂŒtzt und ihr viel Hilfe anbietet, damit es den Pferden weiterhin gut geht. „Das `Wir` ist das, was jetzt zĂ€hlt“, sagt die Trainerin und hört nicht auf, wie ihre Kollegen vom Golfplatz einfach wieder auf bessere Zeiten zu hoffen.



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Im Seminar "Ressort Lokales" an der WestfÀlischen Hochschule Gelsenkirchen haben Studierende in Kooperation mit der WAZ Gelsenkirchen Artikel zu verschiedenen, selbstgewÀhlten Themen geschrieben. Diese werden hier und auch in der WAZ Gelsenkirchen veröffentlicht.

Frau RĂ€ther auf ihrem Reitplatz.

Sicht auf den Golfplatz bei Haus Leythe.

Die Driving-Range des Golfclubs Haus Leythe.

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