09. Dezember 2019  00:00

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Stress im Studium

Ein Aufruf zum „Wir“

Ein Studium kann viel Stress hervorrufen: Tests, Deadlines und stundenlange Vorlesungen. Fehlt man, muss man sich bei Kommilitonen sĂ€mtliche Informationen beschaffen, um nichts zu versĂ€umen. Das gestaltet sich schwierig, wenn der Anschluss fehlt und sorgt fĂŒr zusĂ€tzlichen Stress.

Von Nathalie KĂŒhne

So erging es auch einer 21-JĂ€hrigen Studentin. Im Jahr 2018 begann sie ihr Studium im Bereich Journalismus -und Public Relations, dem Studiengang der sich selbst eine Familie nennt. Krankheitsbedingt verpasste sie die EinfĂŒhrungswoche, in der sich in der Regel der gesamte Jahrgang besser kennenlernt und Freundesgruppen bildet. „Ich habe die komplette Gruppenbildungsphase verpasst. Es ist schwer, dann noch irgendwo reinzupassen“, erzĂ€hlt sie. Sie wirkt aufgeschlossen und kommunikativ, eine junge Frau von der man erwarten wĂŒrde, dass sie problemlos Anschluss findet.

Die Gruppen im Studiengang bildeten sich allerdings ohne sie. Die so stolz beworbene Familie erwies sich als eine Aufsplittung in kleine Freundesgruppen mit LĂ€stereien und allem was dazugehört. Auch in Gruppenarbeiten gilt man meist als „der Rest“. Man wird den Teams zugeteilt, die von allein nicht genug Leute gefunden haben und das frustriert. „Als Mentor in der diesjĂ€hrigen EinfĂŒhrungswoche habe ich gemerkt, dass zufĂ€llig zugeteilte Gruppen fremde Menschen einander nĂ€herbringen und dadurch neue, semesterĂŒbergreifende Freundschaften entstehen. Solche Gelegenheiten wĂŒrde ich mir öfter wĂŒnschen“, berichtet die 21-JĂ€hrige mit Freude. Es ist ihr wichtig, den Neuankömmlingen den Start leichter zu machen als sie ihn erlebt hat.

Eine aktuelle Studie der DZHW ergab, dass jeder Dritte in der FrĂŒhphase sein Studium an einer deutschen Hochschule abbricht. Grund dafĂŒr ist neben finanziellen Problemen und mangelnder Motivation der fehlende Anschluss. „Das muss nicht sein. Es hilft schon, wenn sich nicht jeder an seine Freunde klammert, sondern auch mal bereit ist, spontan mit Unbekannten zu arbeiten. Damit erleichtert man mir und vielen anderen die Integration in die Gemeinschaft“, betont die Studentin. Es ist schwer sich einzubringen, wenn das Interesse am Kennenlernen bloß einseitig besteht und darunter leidet auch die Leistung, aber sie hat nach einem holprigen Start ihren Weg gefunden und das Studium nicht an den Nagel gehĂ€ngt. Inzwischen hat sie Gefallen und Bezugspersonen gefunden und freut sich auf die kommenden Semester.



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Quelle der Studie: Martin Neugebauer, Ulrich Heublein, Annabell Daniel (02.10.2019): "Studienabbruch in Deutschland: Ausmaß, Ursachen, Folgen, PrĂ€ventionsmöglichkeiten." Zeitschrift fĂŒr Erziehungswissenschaften

Allein zu lernen, wird Studierenden schnell zu viel (Foto: Ć tefan Ć tefanĂ­k)

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