14. Februar 2017  00:00

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Ende des Steinkohlebergbaus

Schicht im Schacht

Die Schließung der Bergwerke ist beschlossen, daran gibt es nichts mehr zu RĂŒtteln. Ab 2018 ist „GlĂŒck auf, der Steiger kommt“ ein Fall fĂŒr die GeschichtsbĂŒcher. Hat die Politik wirklich richtig gehandelt oder hĂ€tte anders gehandelt werden können?

Von Carina Kölzow

Wer die harte Arbeit scheut und Angst vor der Dunkelheit hat, der ist wohl ungeeignet fĂŒr den Steinkohlebergbau. Über 1000 Meter fahren die Kumpel tĂ€glich in die Tiefe, um unter Tage Kohle zu fördern.

Einer dieser Kumpel war auch Thomas Kruzik (50). Der gebĂŒrtige Gelsenkirchener hat 1982 auf der Zeche Konsol Berg- und Maschinenmann gelernt und kennt sich in der Tiefe aus. Über die Zechen Nordstern, Hugo und weitere Stationen fĂŒhrte sein Weg schließlich 2010 zum Bergwerk Auguste Victoria nach Marl.

:: Zu viel UnterstĂŒtzung vom Staat ::

2015 war dort Schicht im Schacht. Die Förderung der Kohle wurde eingestellt. Thomas ist ĂŒber diese Entwicklung traurig. „In der EuropĂ€ischen Union ist auch nicht immer alles gut“ sagt er. Denn diese hat die Subventionierung des deutschen Steinkohlebergbaus nicht mehr erlaubt und somit maßgeblich zur Entscheidung beigetragen, den Bergbau in Deutschland zu beenden.

Anders sieht das Michael SandkĂŒhler (57), Fraktionsvorsitzender beim BĂŒndnis 90/Die GrĂŒnen Ortsverband Marl. Seiner Meinung nach, war es richtig von der Politik, das Kapitel Bergbau zu beenden. „Der Bergbau wurde viel zu lange vom Staat unterstĂŒtzt“ sagt er. Das hĂ€tte seiner Meinung nach schon viel frĂŒher beendet werden mĂŒssen.

:: „Kameradschaft wurde groß geschrieben“ ::

Obwohl seine ganze Familie durch den Bergbau in die Region gekommen ist und auch schon sein Vater und Großvater dort gearbeitet haben, hat Michael SandkĂŒhler mit dem Thema abgeschlossen. „Es sollten neue Industieren angesiedelt werden, die neue ArbeitsplĂ€tze schaffen“. Die GrĂŒnen seien entgegen der allgemeinen Meinung keine Industriefeinde, solange diese sich an die Gesetze halte.

Thomas Kruzik ist anderer Meinung. Er fĂŒhlt sich noch immer wie ein Bergmann. „Man hĂ€ngt dort mit Herz und Seele dran“, sagt er. Er habe nie bereut, zur Zeche gegangen zu sein. „Die Kumpel standen immer fĂŒreinander ein, Kameradschaft wurde groß geschrieben“.

Thomas Kruzik befĂŒrchtet, dass möglicherweise qualitativ minderwertige Kohle importiert werden muss, wenn die heimische hochwertige Kohle nicht mehr gefördert wird. Diese Entwicklung erwartet Michael SandkĂŒhler. Seiner Meinung nach sei das grĂ¶ĂŸte Problem, de FlĂ€chen der stillgelegten Zechen weiter zu vermarkten. Nach wie vor werden Investoren gesucht, die Wert auf eine gute Verkehrsanbindung legen.

::Erneuerbare Energien statt Steinkohle ::

„Durch den Bergbau ist Marl mit den erneuerbaren Energien leider etwas zu spĂ€t dran“. Dies sei kein vorausschauendes Handeln gewesen. Ideal wĂ€re fĂŒr SandkĂŒhler eine Mischung aus verschiedenen erneuerbaren Energien. Diese seien mit weniger Risiken und UmweltschĂ€den verbunden.

Mit dem Ende des Bergbaus wird sicherlich ein Teil der IdentitĂ€t der Stadt Marl und auch des Ruhrgebiets verloren gehen. Wenn es nach Michael SandkĂŒhler ginge, wĂŒrde sich das Image der Stadt verĂ€ndern zur „Energiestadt im GrĂŒnen“, auch wenn das eine Idealvorstellung sei.



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2007 haben Bund- und Landespolitiker einen Fahrplan zur Schließung der Zechen beschlossen. 2018 wird auch die letzte Zeche geschlossen werden.

Seit 2015 hat Auguste Victoria in Marl die Förderung der Steinkohle einstellen mĂŒssen. Über diese Entwicklung ist die Partei BĂŒndnis 90/Die GrĂŒne, Ortsverband Marl, nicht sonderlich traurig.

Michael SandkĂŒhler, Fraktionsvorsitzender beim BĂŒndnis 90/Die GrĂŒnen Ortsverband Marl (Foto: BĂŒndnis 90/Die GrĂŒnen Ortsverband Marl)