10. Februar 2017  00:00

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Licht geht aus

Horst soll gesund bleiben

Das St. Josef-Hospital in Horst schließt, und das spĂ€testens 2018. Die Stadt verspricht, sich um die Gesundheit der BĂŒrger zu kĂŒmmern. Doch die Zukunft des Hospitals bleibt unklar.

Von Sebastian BauerschÀfer

Es gĂ€be keine Alternative fĂŒr das Aus des St. Josef-Hospitals, erklĂ€rte der TrĂ€ger, die Katholischen Kliniken Emscher-Lippe (KKEL). Die hatten sich Mitte Januar mit der Stadt Gelsenkirchen zusammengesetzt, um die Zukunft des Krankenhauses zu besprechen. Relativ schnell wurde hier klar: Das Hospital, in seiner jetzigen Form, wird es bald nicht mehr geben. Ein Grund dafĂŒr sei die wirtschaftliche Situation aller HĂ€user, die unter der KKEL-Flagge bestehen. Zehn Jahre schreiben die KrankenhĂ€user, bis auf ein Ausnahmejahr, rote Zahlen, erklĂ€rte der Aufsichtsrat bereits im Dezember - 1,5 Millionen Euro Defizit waren das allein im Jahr 2015.

:: Onkologie zieht um ::

Ein anderer Grund sei der Weggang der Onkologie nach Ückendorf im Sommer 2017. Ab Juni heißt das keine Krebsvorsorge und -behandlung mehr im St. Josef-Hospital. Das bedeutet gleichzeitig zehn Millionen Euro weniger Umsatz. Die KKEL sieht keinen anderen Weg als den Laden dicht zu machen und das zum Leidwesen vieler. Das wiederum schmeckt der Stadt Gelsenkirchen offenbar gar nicht, wie OberbĂŒrgermeister Frank Baranowski bei den GesprĂ€chen im Januar deutlich machte: „Die Schließung des St. Josef-Hospitals hat viele Menschen im Stadtteil und in ganz Gelsenkirchen bewegt. Wenn es schon keine Alternative dazu geben soll, muss sich wenigstens der Bereich zukunftssicher weiterentwickeln.“

kurzKommentiert

FĂŒr WAZ-User „Silbrecht" ist der Wegfall des St.Josef-Hospitals schwer zu verkraften: „Die Schließung ist wirklich ein Verlust nicht nur fĂŒr Horst, sondern fĂŒr ganz Gelsenkirchen, aber auch Gladbeck und andere Einzugsgebiete. Gerade die Geriatrie war ĂŒber die Stadtgrenzen hinaus bekannt. Leider siegte hier Geld ĂŒber Menschlichkeit."

:: Was besser werden soll ::

Damit das funktioniert, sollte die KKEL in der nĂ€chsten Zeit vor allem eines leisten: frĂŒhzeitig informieren. Das vereinbarten jedenfalls die Stadt und der TrĂ€ger des Krankenhauses. Aber wie geht es vor Ort weiter? Was kommt nach der Schließung? Als einen Schritt in die richtige Richtung bezeichnete der OB, „dass sich die Katholischen Kliniken Emscher Lippe heute zu dem Standort bekannt haben und dort neue Angebote entwickeln wollen.“ Reichen solche Bekenntnisse denn am Ende aus?

:: Senioren sehen Horst in Gefahr ::

Der Seniorenbeirat Horst kritisierte die KKEL fĂŒr ihr bisheriges Vorgehen. „In den letzten Jahren sind rund um das St. Josef-Hospital in Horst zahlreiche Seniorenwohnungen entstanden. Ausschlaggebend fĂŒr diese Entscheidung war nicht zuletzt das Angebot einer ortsnahen medizinischen Betreuung im Krankheitsfall", heißt es in der ErklĂ€rung des Seniorenbeirates. Sie fordern deshalb ein Umdenken beim kirchlichen TrĂ€ger.

Wenn es aber kein ZurĂŒck mehr gĂ€be und das Hospital auf jeden Fall schließe, dann mĂŒsse ein Gesundheitszentrum her. Es könne nicht sein, dass schwer erkrankte Menschen auch noch lange Transportwege zugemutet werden. Senioren bekĂ€men auch nicht mehr alle Fahrten bezahlt, die Krankenkassen frĂŒher ĂŒbernommen hĂ€tten.

Wer im Rollstuhl sitzt oder mit einem Gehwagen unterwegs ist, der mĂŒsse ansonsten in Zukunft in einen anderen Stadtteil. Und keine Onkologie im ganzen Norden der Stadt funktioniere nicht. Auch dafĂŒr mĂŒsse unbedingt ein Ersatz geschaffen werden.

:: Wohin mit den Mitarbeitern?

Die Mitarbeiterfrage des St. Josef-Hospitals indes steht ebenfalls noch im Raum. Was klar ist: „Rund ein Drittel der Belegschaft wird mit nach Gladbeck gehen“, sagte Aufsichtsratsvorsitzender Werner Philipps gegenĂŒber Der Westen Ende des vergangenen Jahres. Sie arbeiten dann im St. Barbara-Hospital (TrĂ€ger: KKEL). Beschlossen ist auch der Weggang des Onkologen mitsamt Team nach Ückendorf. Weitere 100 Mitarbeiter gehen laut KKEL 2018 in Rente.

Übrig bleiben also 250 Menschen, deren Situation nach wie vor unklar ist. Die GeschĂ€ftsfĂŒhrung zeigte sich zwar optimistisch und erklĂ€rte: „Darunter sind auch noch viele, die vielleicht in Altersteilzeit gehen. Und bei allen anderen machen wir uns keine Sorgen, dass sie untergebracht werden in der KKEL.“ Aber ist das alles wirklich halb so wild und haben die Mitarbeiter keinen Grund zur Sorge um ihren Job?

:: Gefasst und getroffen ::

LohnkĂŒrzungen gab es bereits seit 2012 - die Mitarbeiter des Hospitals hatten es bis hierhin nicht gerade leicht. Nun das endgĂŒltige Ende in Horst. Wulf-Christian Jordan, Vertreter der Mitarbeiter, war ĂŒber die Meldung im Dezember jedenfalls ĂŒberrascht: „Mit einem Aus haben wir nicht gerechnet.“

Er und seine Kollegen seien zwar „gefasst“, weil seitdem Klarheit herrsche, dennoch seien sie ebenso schwer getroffen, da sie sich mit dem Haus verbunden fĂŒhlten. KĂŒndigungen befĂŒrchtet er nicht, teilte er der WAZ nach dem St. Josef-Aus mit. Der Markt fĂŒr Pflege-FachkrĂ€fte im Revier sei eigentlich nicht schlecht.



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Das St. Josef-Hospital wurde bereits 1889 mit 35 Betten eröffnet. So wie die Bevölkerungszahl zunahm, nahm auch die Anzahl der Betten und die GrĂ¶ĂŸe des GebĂ€udes im Laufe der Jahrzehnte zu. Bis heute fanden diverse Umbauten statt, nötig waren diese auch durch Bombenangriffe im Zweiten Weltkrieg.

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Im Krankenhaus war der Chirurg Rudolf Bertram tĂ€tig. 1944 rettete er zusammen mit der KrankenhausfĂŒrsorgerin Ruth Theobald und der Ordensschwester Epimacha 17 jĂŒdische Zwangsarbeiterinnen vor dem Abtransport. Er versteckte sie bis zum Kriegsende und wurde posthum 1980 in der GedenkstĂ€tte Yad Vashem in Jerusalem als „Gerechter unter den Völkern“ geehrt.