08. Februar 2017  00:00

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NRW-Ticket

Des einen Freud, des anderen Leids

Die einen brauchen es, die anderen nicht – trotzdem zahlen alle den gleichen Preis. Das NRW-Ticket ist für Studierende, die mit öffentlichen Verkehrsmitteln den Campus erreichen, eine praktische finanzielle Erleichterung. Für die Autofahrer dagegen eine Last, die es zu zahlen gilt, obwohl es nicht gebraucht wird. Auf den ersten Blick klingt das doch ziemlich unfair, oder?

Von Daria Delshad-Jooposht & Katharina Lenger

Alle müssen zahlen, egal ob nützlich für sich selbst oder nicht. Warum zahlen nicht nur die, die es auch regelmäßig benutzen und brauchen? Das funktioniert leider nicht so einfach. Der Pendler hat die Ticketkosten, der Autofahrer die Spritkosten – zur Uni zu kommen ist teuer. Für einen umweltfreundlichen Weg steht das NRW Ticket, das in den Semestergebühren mit inbegriffen ist. Dabei spielt es allerdings keine Rolle, ob der Studierende das Ticket nutzt oder nicht. Zahlen müssen es alle.

:: Versicherungs- und Spritkosten ::

Besonders die Autofahrer sind darüber verärgert: "Ich bin Autofahrerin und benutze mein NRW-Ticket so gut wie nie. Es liegt unbenutzt in meinem Portmonee. Das finde ich rausgeschmissenes Geld. Natürlich kann ich verstehen, dass sich nicht jeder ein Auto leisten kann und viele glücklich darüber sind, ein NRW-Ticket zu besitzen. Dennoch sollte man auch auf die Autofahrer schauen, die eben neben dem NRW-Ticket Kosten haben, wie Versicherung und Sprit.", erzählt Vivien, die an der Westfälischen Hochschule Gelsenkirchen studiert. Lisa ist ebenfalls der gleichen Meinung: "Wenn ich mit dem Auto fahre, brauche ich ca. eine Dreiviertelstunde. Wenn ich Bus und Bahn nehmen würde, und die Warte- und Umsteigezeiten mit einberechne, bräuchte ich fast eineinhalb Stunden länger." Außerdem seien nicht überall die Verbindungen optimal, klagt sie.

:: Mit Bus und Bahn ist es viel umweltfreundlicher ::

Dagegen sind aber die Pendler erfreut über das Angebot des NRW-Tickets, da sie dadurch deutlich Kosten sparen: "Für mich ist es super, dass solch ein Ticket in den Studiengebühren enthalten ist. Ich kann mir kein Auto leisten und bin auf das NRW-Ticket angewiesen. Egal ob zur Hochschule oder in die Stadt.", erklärt Sophia, Studentin der WH Gelsenkirchen. Sie fügt hinzu: "Außerdem ist es viel umweltfreundlicher. Das gibt mir persönlich ein besseres Gefühl."

Doch warum wurde das NRW-Ticket überhaupt am Standort Gelsenkirchen und Recklinghausen eingeführt? Das weiß Christian Kellmann, AStA-Referent für Semesterticket/Mobilität: "Zum einen sieht man an der Anzahl der Parkplätze direkt, dass früher weniger Studierende ein Auto besaßen. Um möglichst vielen Studierenden, die umweltfreundliche Anreise zur Hochschule zu ermöglichen, haben in den neunziger Jahren, das Land NRW und der Zusammenschluss der Studierendenschaften, die Verkehrsverbünde (GE+RE der Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (der Verbund der ziemlich früh ein Semesterticket eingeführt hat), BOH die Verkehrsgemeinschaft Münsterland) damit beauftragt, ein Konzept zu entwickeln."

Dabei habe man sich auf ein Solidarprinzip geeinigt. Heißt, dass jeder Studierende durch die Semestergebühren, automatisch ein Semesterticket bekommt. Kellmann erklärt weiter: "Durch dieses Solidarprinzip entsteht ein günstiger Preis. Vergleich: Ticket 2000 Preisstufe D im Abo 171,00€/Monat, Semesterticket GE/RE: 22,12€/Monat. Des Weiteren hat sich die damalige Landesregierung bei der Einführung des Semestertickets verpflichtet keine weiteren Studiengebühren zu erheben."

:: Der Wunsch nach einem NRW-Ticket wuchs ::

Im Jahre 2007 gab es die Möglichkeit das Semesterticket um eine NRW-Ticket-Option zu erweitern. Damals wurde außerdem immer öfter der Wunsch nach einem Ticket geäußert, sodass der damalige AStA es für sinnvoll hielt, das NRW-Ticket einzuführen. "Im Sommer 2010 hat es dann eine Urabstimmung gegeben.", berichtet Kellmann. 62% Ja-Stimmen führten zum endgültigen Einführen des Tickets.

:: Gesetz ist Gesetz ::

Natürlich haben Studenten auch schon gegen das Semesterticket geklagt, beispielsweise in Duisburg – jedoch ohne Erfolg. Zwar haben Studenten jederzeit das Recht sich über ihre Einstellung zu dem Ticket zu äußern, das Bundesverfassungsgericht plädiert jedoch für die Vorteile, die es in dem Ticket sieht. So sei das NRW Ticket eine Hilfe für die finanzielle Bedürftigkeit der Studierenden, da die hohen Fahrtkosten verringert werden. Die Tauglichkeit des Tickets sollte zudem an der Gesamtheit der Studierenden gemessen werden. Beispielsweise sei das NRW Ticket eine umweltschonende Alternative zum Auto.

Auch die Parkplatzsituation entspannt sich, wenn mehr Studierende das Ticket in Anspruch nehmen. Denn auch Autofahrer sollten den Nutzen im Ticket sehen: Sie können es zu Freizeitzwecken benutzen. Somit hat das NRW Ticket für jeden seinen Nutzen auf unterschiedliche Art, sodass alle es zahlen.



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2007 gab es die Möglichkeit, sein Semesterticket mit einer NRW-Ticket-Option zu erweitern. Die Einführung des NRW-Tickets in Gelsenkirchen und Recklinghausen gibt es nach einer Urabstimmung seit 2010.

Weitere Informationen zum NRW-Ticket findet ihr hier

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