15. Februar 2017  00:00

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Nahverkehr

Die Bahn macht mobil - nur nicht in Gelsenkirchen

Atlantis ging unter, Bielefeld existierte nie. Dank Google ist jetzt auch Gelsenkirchen futsch.

Von Anna Laura Schnieber

Seit einigen Jahren schon verknüpft Google seinen Kartendienst „Maps“ mit den vor Ort gültigen Fahrplänen des öffentlichen Nahverkehrs. Während das in anderen Ländern inzwischen in Echtzeit geschieht, überdenken die meisten deutschen Städte die Sache noch immer gründlich. Google könnte ja Daten klauen, ist das Argument des hessischen Rhein-Main-Verkehrsbundes. Und am Ende würden Sie vielleicht sogar noch öffentlich gemacht – die Fahrpläne, im Internet, für alle sichtbar. Schreckliche Vorstellung.

Mit dabei sind hingegen die Städte Berlin, Hamburg, Köln, München – und die größenwahnsinnigen Dortmunder natürlich auch. Schließlich müssen ja Reisende aus der ganzen Welt ihren Weg zum größten Weihnachtsbaum finden.

Aber welche Angst könnte die Bogestra haben? Welche genialen Einfälle gibt es in Gelsenkirchen noch zu verstecken? Denn auch der ÖPNV in Gelsenkirchen ist über Maps nicht erreichbar.

Beispiel: „Neidenburger Straße“ nach „Schloß Horst“. Der Weg in der realen Welt: mit dem Bus 396 in 15 Minuten und ohne Umstieg. Google Maps schlägt allerdings vor, von der Fachhochschule in Buer zunächst zu Fuß nach Gladbeck zu laufen. Von da aus geht es per Bus und mit Umsteigen nach „Schloß Horst“. Dauer: rund 50 Minuten.

Das Schmankerl für alle Gelsenkirchener: Busse der Vestischen, deren Weg unvermeidbar DURCH Gelsenkirchen fährt, werden angezeigt, inklusive der Gelsenkirchener Haltestellen. Denn sogar die „Vestische“ in Gladbeck konnte mit Google Maps aushandeln, dass ihre Fahrpläne übernommen werden – falls mal jemand das Gladbecker Stadion live sehen will.

Gut, für das globale Angebot von Google Maps ist Gelsenkirchen vielleicht nicht interessant genug. Aber die Deutsche Bahn, die lässt uns doch niemals im Stich. Und dennoch: auch sie scheint Touristen und Umherirrende davor bewahren zu wollen, sich beim Flanieren im Shopping-Paradies rund um den Heinrich-König-Platz zu vergessen. Die Konsequenz: alle Nahverkehrsverbindungen der Bogestra sind auf der Website und in der App der Deutschen Bahn seit letzter Woche nicht mehr zu finden. Die Haltestellen sind im System hinterlegt, können ausgewählt werden – doch Verbindungen gibt es laut der Bahn nicht mehr. Bus 396, Straßenbahn 301: wer die letzten Tage damit gefahren ist, muss geträumt haben.

Die Sache ist klar. Wer wirklich nach Gelsenkirchen will, der muss sich anstrengen und die Fahrpläne am besten vorausschauend abschreiben. Immerhin: die VRR-App findet man im PlayStore schon auf dem zwölften Platz, wenn man nach Gelsenkirchen sucht. Gleich hinter der „Blutspenden in Gelsenkirchen“-App.



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