25. November 2016  00:00

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Veltins-Arena

„Schalke tut mir gut"

Ulrike Hoffmann ist mit Leib und Seele Arenaführerin. Ein Leben ohne die Touren durch die Veltins-Arena könnte sie sich nicht mehr vorstellen. Das war nicht immer so.

Von Marlen Hämmerli

Rein zufällig wurde Ulrike Hoffmann Stadionführerin. Von Fussball hatte sie damals „null Ahnung“. Doch ihr Sohn hatte ein Probetraining und so fuhr sie zur Veltins-Arena. Diese befand sich gerade im Bau und zog Hoffmann sofort in ihren Bann: „Ich fand das Gebäude interessant. Die Architektur und die spezielle Bauweise faszinierten mich.“ Sie war nicht die Einzige, die ein grosses Interesse an der Baustelle zeigte. Weil sehr viele Schaulustige am Zaun standen, begannen die Verantwortlichen, Baustellenführungen anzubieten. „Die Führungen durchs Stadion wurden zu einem festen Bestandteil von Schalke und ich machte die Ausbildung zur Tour-Führerin.“ 2002 leitete Hoffmann ihre erste Führung. Heute, bald fünfzehn Jahre später, fasziniert sie die Architektur noch immer, aber nicht nur.

:: Die Atmosphäre wirkt magisch ::

Was die 61-Jjährige damit meint, wird bei den von ihr geleiteten Führungen spürbar. Mit leuchtenden Augen steht sie vor dem geschlossenen Kiosk, erzählt von der 5.000 Meter langen Bierpipeline und wie diese gereinigt wird. Plastisch beschreibt Hoffmann die Stimmung an Spieltagen und erzählt von den Schalke-Fans. Davon, wie diese in der Nordkurve stehen, die Schals hochhalten und die Vereinshymne singen. Und spätestens, wenn die Mutter von zwei Kindern zwischen den Sitzreihen im Stadion steht wird klar: Sie ist ein Schalke-Fan, vom Scheitel bis zur Sohle.

:: Die Besucher sind am Steuer ::

Ulrike, wie sie sich bei den Touren vorstellt, lacht viel, nimmt jede Fragen ernst und beantwortet sie ausführlich. Ihr mache es nichts aus, bei jeder Führung dasselbe zu erzählen. Denn durch die Besucher sei trotzdem jede anders. „Die Arena ist ein Kristallisierungspunkt von Schalke. Letztlich gebe ich all den Menschen, die hierher kommen – den Fans, den Gästen und den Besuchern – einen Einblick in diesen besonderen Verein. Einen Verein,der Menschen verbindet und durch sie lebt.“ Laut ihr regiert jeder anders auf das Gehörte: „Da gibt es den 80-jährigen Schalker, der durch eigene Erinnerungen sehr bewegt ist. Da ist die Jugend, die über die Bierpipelines schmunzelt.“ Aber längst nicht alle Senioren oder Jugendlichen reagieren gleich. „Man kann keine Seniorenführung mit einer anderen vergleichen,“ sagt sie und strahlt über’s ganze Gesicht.

:: Etwas verbindet alle ::

Was aber bei allen Besuchern zählt, ist die Atmosphäre. „Gänsehautatmosphäre“ nennt es Ulrike. Ganz besonders sei diese an Spieltagen und damit an den sogenannten Legenden-Touren, den Lieblings-Führungen der Dame mit dem kecken Zopf. Sie kommt in Fahrt und erklärt begeistert: „Diese finden nur unmittelbar vor Heimspielen statt. Während ich also mit den Gästen durch die Arena gehe, wird um uns herum alles für’s Spiel vorbereitet.“ Es sei wuselig. Die Kioskmitarbeiter würden einrichten, die Restaurantkräfte die Tische eindecken. „Alle sind da. Die Spannung steigt spürbar."

:: Zwischen Geduld und Stress::

Es ist nur logisch, dass ihr diese Lebendigkeit gefällt. Die Tour-Führerin ist selbst voller Leben, immer in Bewegung und doch geduldig. Bei den Führungen wartet sie ruhig bis die Besucher zu ihr aufgeschlossen haben, erklärt und gibt den Gästen dann genügend Zeit, sich alles anzusehen und Fotos zu schiessen. So beispielsweise, wenn sie mit den Gästen auf das im Freien liegenden Rasen hinuntersieht. Ruhig steht sie neben der Gruppe. Mit einem kleinen Schmunzeln beobachtet sie, wie sich die Leute am Fenster drängen und Erinnerungsbilder schiessen. Es scheint keinen Grund zur Eile zu geben.

Es gibt aber auch stressige Momente. Etwa, wenn drei Führungen hintereinander anstehen. „Ich muss dann rechtzeitig zurück sein, will aber doch jeder Gruppe gerecht werden.“ Und obwohl Ulrike bereits viel Erfahrung hat, stille Gruppen verunsichern sie: „Bei sehr introvertierten Leuten erhalte ich während der Führung keinerlei Reaktionen. Ich weiss dann nicht, ob es ihnen gefällt und das mag ich nicht“, erklärt sie mit einem Stirnrunzeln.

:: Schalke wirkt auf Hoffmann besonders::

Trotz allem: Die quirlige Dame will den Job noch so lange wie möglich ausüben. Eine Altersbeschränkung für Stadionführer und –führerinnen gibt es nicht. „Die älteste von uns ist 66 Jahre alt“, sagt sie. Auch spreche sonst nichts dagegen, noch lange weiterzuarbeiten. Für Ulrike, die hauptberuflich bei einer Krankenkasse arbeitet, ist Stadionführerin der beste Job der Welt. „Ich liebe diesen Job, da er zu meiner hauptberuflichen Tätigkeit einen wunderbaren Ausgleich darstellt. Man kriegt immer Beifall, lernt unterschiedliche Menschen kennen und erlebt ihre Freude mit.“ Ganz dick unterstreicht sie: „Schalke tut mir gut."



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InfoBox

Geführte Touren durch die Veltins-Arena dauern ungefähr 75 Minuten. Im Preis ist der Eintritt ins Schalke-Museum inbegriffen. Einzelpersonen und Familien müssen sich für einen der verfügbaren Termine anmelden. Gruppen können Führungen individuell buchen.

Bei der FĂĽhrung erhalten die Besucher Informationen zum herausfahrbaren Rasenfeld, erfahren wie viel es kostet, die Arena zu mieten und warum die Brauerei Veltins mit Recht das Namensrecht besitzt.

Bei FĂĽhrungen kann die Veltins-Arena von innen entdeckt werden.