13. Oktober 2016  10:15

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Buerxit - Geteiltes Gelsenkirchen

Buer will raus

Buer ist nicht Gelsenkirchen! Das findet die Initiative "Buerxit" und grenzt auf satirische Art und Weise Buer und den Norden der Stadt vom sĂŒdlichen Gelsenkirchen ab. Doch was steckt hinter der Satire?

Von Romea Diekmann

Polo Hemd, der Pulli elegant ĂŒber die Schultern gelegt und mit Sektchen in der Hand im Porsche Cayenne zum Business-Dinner –Standard fĂŒr den typischen Bueraner. WĂ€hrend er sein Leben mit Glanz und Gloria genießt, zeichnet sich auf der anderen, dunkleren Seite der Stadt sĂŒdlich der Emscher ein anderes Bild. In drei-Euro Jogginghose streunen die Menschen hier durch die Straßen, vorbei an heruntergekommenen Hausfassaden und SchauplĂ€tzen der KriminalitĂ€t. In Gelsenkirchen gilt: Arbeitsamt statt Jura-Studium, Burger statt Kaviar.

So oder so Ă€hnlich grenzt die Initiative „Buerxit“ auf satirische Art und Weise Buer und den Norden der Stadt vom sĂŒdlichen Gelsenkirchen ab. Das GefĂŒhl anders als der Rest Gelsenkirchens zu sein trĂ€gt so mancher Bueraner in sich. Menschen aus Neukölln sind Berliner, Menschen aus Buer sind aber keineswegs Gelsenkirchener, sondern Bueraner. Inspiriert vom „Brexit“, dem Austreten Großbritanniens und Nordirlands aus der EU, kam einigen Freunden aus Buer die Idee zum „Buerxit“, der fĂŒr die Abnabelung des Stadtteils Buer von Gelsenkirchen steht. Auf der am 4. Juli gegrĂŒndeten Facebook-Seite plĂ€dieren die Initiatoren fĂŒr ein freies, eigenstĂ€ndiges „Buer in Westfalen“, bestehend aus allen Stadtteilen nördlich der Emscher exklusive Horst, genau wie vor 100 Jahren.

: : ZurĂŒck zu den Wurzeln : :

Viele Jahrzehnte zum Landkreis Recklinghausen gehörend, wurde „Buer in Westfalen“ im Februar 1911 durch Kaiser Wilhelm II zur Stadt erhoben. Elf Jahre spĂ€ter zĂ€hlte Buer mit 100 000 Einwohnern dann offiziell als Großstadt. Lange blieb es allerdings nicht bei der EigenstĂ€ndigkeit, denn bereits 1928 wurde aus den StĂ€dten Buer und Gelsenkirchen und dem Amt Horst die neue Großstadt „Gelsenkirchen-Buer“. Zwei Jahre spĂ€ter folgte die Umbenennung in Gelsenkirchen.

Wie Buer nach einem „Buerxit“ aussehen sollte wird auf der Facebook-Seite ganz konkret dargestellt. Neben „ZugbrĂŒcken und Barrikaden an allen KanalbrĂŒcken, sowie Straßen Richtung Horst“ und „Frei-Aperol-Spritz immer und ĂŒberall auf der Hagenstraße“ wird auch die Umbenennung in Beverly Buer 466 vorgeschlagen. Das gefĂ€llt bereits ĂŒber 2800 Facebook-Mitgliedern.

: : Ernste Absichten : :

Hinter den satirischen Forderungen stecken aber durchaus auch ernste Absichten, wie einer der anonymen Initiatoren erklĂ€rt. Die soziologischen Strukturen in Buer seien zwar nicht unbedingt besser oder schlechter, verglichen mit Gelsenkirchen, dennoch herrsche ein ZusammengehörigkeitsgefĂŒhl, das sich von anderen abhebt. Bezogen auf die ĂŒber tausend Jahre alte Geschichte bezeichnet er Buer als „alten westfĂ€lischen Ort mit Familien, die ĂŒber Generationen hier leben“. Ein anderer Aspekt, der auf Buerxits Facebook-Seite oft thematisiert wird, sind die „Zwangssubventionen, die Buer in Milliardenhöhe nach Gelsenkirchen abfĂŒhren muss“. Die Verfechter eines eigenstĂ€ndigen „Buer in Westfalen“ fordern den Buerxit, um Probleme wie Leerstand und ein stellenweise heruntergekommenes Stadtbild nicht weiter mittragen zu mĂŒssen. „Einer Stadt wie Buer in Westfalen wĂŒrde es so heute besser gehen“, glaubt einer der GrĂŒnder.

: : Nachgefragt : :

Die Aussagen im Netz bekommen viel Zuspruch, dennoch ist es Satire. Was wĂŒrden die Bueraner also wirklich von einem Buerxit halten? UnabhĂ€ngig von den lustigen Bildern und SprĂŒchen auf Facebook. Schöner, sauberer, höflicher, so beschreiben auch die Menschen auf der Straße den Stadtteil Buer. Von einer wirklichen Trennung halten die meisten Befragten jedoch nichts. „Ein Buerxit wĂ€re ĂŒberzogen“, findet Bueranerin Claudia Meisner (Name geĂ€ndert). Zwar beschreibt sie Buer „als Kleinstadt fĂŒr sich“, möchte allerdings auch nicht auf Kultureinrichtungen jenseits der Emscher, wie das Musiktheater, verzichten. Auch Metin Aydin sieht die visuellen Unterschiede zwischen Buer und Gelsenkirchen. Eine Abgrenzung von Nord und SĂŒd halte er trotzdem fĂŒr falsch. „Es gibt ĂŒberall gute und schlechte Menschen“.



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Die Initiative "Buerxit" existiert seit dem 4. Juli, ausschließlich auf Facebook. Auf satirische Art und Weise grenzt sie Buer und den Norden der Stadt vom sĂŒdlichen Gelsenkirchen ab. Die GrĂŒnder fordern ein eigenstĂ€ndiges, von der Stadt Gelsenkirchen unabhĂ€ngiges "Buer in Westfalen". In vier Monaten hat "Buerxit" bereits ĂŒber 2800 "gefĂ€llt-mir-Angaben" bekommen.

Quelle: Privat

Quelle: Privat

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