22. April 2016  00:00

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Emscher-Lippe-Halle wieder frei

Europa schafft sich ab

Europa ist wie ein kleines Kind, das sein Kinderzimmer nicht teilen will. Denn seine eigene Sicherheit der Grenzen, ist ihm wichtiger, als die Sicherheit der Menschen. Europa muss teilen k├Ânnen. Damit im Mittelmeer keine Menschen ertrinken.

Von Hatice Kahraman

Vor wenigen Tagen hat Buerpott geschrieben, dass die Emscher-Lippe-Halle wieder in den normalen Betrieb genommen wird - weil keine Fl├╝chtlinge dort unterkommen. Gl├╝ck f├╝r die Veranstalter: Jetzt k├Ânnen sie wieder feiern und Musiker einladen. Pech f├╝r die Fl├╝chtlinge - sie schaffen es nicht mal bis nach Gelsenkirchen.

Keine Fl├╝chtlinge in der Escher-Lippe-Halle

In der Halle waren mal 300 Fl├╝chtlinge untergebracht. Keine bequeme Art zu leben. Aber immerhin: Sie lebten. Seit einigen Wochen schl├Ąft kein Fl├╝chtling unter dem Dach der Emscher-Lippe-Halle. Die Grenzen der Balkanroute sind dicht. Somit kommen weniger Fl├╝chtlinge in Deutschland an und die Zahl der Abschiebungen steigt. Innenminister de Maizi├Ęre warnte dennoch vor einer ÔÇ×Entspannung.ÔÇť

Deutschland m├Âchte entspannen

Richtig. Entspannung. Ich frage mich, wie entspannt er ist, wenn er in seinem gem├╝tlichen Sofa sitzt und die Nachrichten liest: ÔÇ×Erneute Trag├Âdie im Mittelmeer

- Hunderte Fl├╝chtlinge ertrunkenÔÇť? Wahrscheinlich trinkt er seinen teuren Kaffee, legt die Zeitung weg und entspannt. Immerhin sind die Grenzen dicht und er kann sich wieder um die wichtigen Dinge seiner Arbeit k├╝mmern: Winken und reden.

Europa verliert seine Werte

Europa hat seine Grenzen dichtgemacht. Und somit seine Werte ├╝ber Bord geschmissen. Mit an Bord waren Fl├╝chtlinge. Nun sind sie unterm Meer. In dieser Woche sind mehrere hundert Fl├╝chtlinge im Mittelmeer gestorben. Im Wasser, fernab von ihrem eigentlichen Ziel: Europa. Dieses St├╝ck Land - mit Werten, auf die es doch so stolz war: Die W├╝rde des Menschen, Recht auf Leben, Demokratie und Sicherheit. Heute bleibt nur wenig von den Werten ├╝brig. Ihr Recht auf Leben und Sicherheit verlieren die Menschen im Mittelmeer. Europa bleibt auf dem Land - Scham und Mitgef├╝hl fehlen.

Ohne Fl├╝chtlinge entspannt sich die Lage in den Gemeinden

Ganz im Gegenteil: Das kleine Kind Europa freut sich. In vielen Gemeinden entspannt sich die Lage: Die Deutschen k├Ânnen endlich wieder ihre Sporthallen und Mehrzweckhallen nutzen. Schlie├člich gibt es nichts Wichtigeres als deutscher Sportunterricht. Auch nicht Menschenleben. Die Bahnh├Âfe sind wieder frei und die Deutschen k├Ânnen sich ├╝ber die versp├Ątete Bahn aufregen - nicht ├╝ber Fl├╝chtlinge, die endlich an ihrem Ziel angekommen sind. Die alten Klamotten k├Ânnen wieder in die M├╝lltonne geworfen werden. Auch die alten High-Heels, obwohl es immer noch verwunderlich scheinen mag, wieso kein Fl├╝chtling diese gebraucht hat.

Polizei sch├╝tzt die heiligen Grenzen

Der R├╝ckgang der Fl├╝chtlinge bedeutet auch, dass die Bundespolizei sich endlich nicht mehr um die Registrierung neuer Asylbewerber k├╝mmern muss. Polizisten in ganz Europa erhalten somit eine neue Aufgabe: Die Grenzen kontrollieren und gegen Schleuser vorgehen. Die Grenze d├╝rfen nur noch legal Menschen mit einem g├╝ltigen Visum ├╝berqueren. Da k├Ânnen die Polizisten sich auch richtig ausleben und mit Wasserwerfern gegen Menschen vorgehen - die einfach nur leben wollen.

Die Willkommenskultur ist verschwunden

Die Grenzen Europas sind geschlossen. Und damit auch die Menschlichkeit. Die Willkommenskultur, auf die wir eins stolz waren, ist verschwunden. Menschen in Not, Menschen auf der Flucht und Menschen mit ├ängsten werden nicht hereingelassen, weil die Sicherheit Europas scheinbar gef├Ąhrdet ist. Europa baut sich eine paranoide Angst auf - vor Terrorismus, ├ťberfremdung und vor dem Islam. Diese Angst l├Ąsst die AFD W├Ąhler aus ihrem arbeitslosen Alltag in das v├Âllige Chaos leiten. Fl├╝chtlingsheime anzubrennen und Fl├╝chtlinge zu verpr├╝geln braucht nat├╝rlich auch seine Planung. Endlich k├Ânnen auch die Freizeit-Nazis wieder auf ihre gem├╝tlichen Sofas, ihre Sendungen auf RTL2 schauen. Denn es gibt nun wenige Fl├╝chtlingsheime, die angebrannt werden m├╝ssen. WelchÔÇÖ Erleichterung.

Hauptsache es stirbt kein Europ├Ąer

Krieg, Armut, Verfolgung und Naturkatastrophen sind anscheinend f├╝r Europa keine Gr├╝nde f├╝r eine Flucht. Oder Hoffnung auf Sicherheit. Europa stutzt arrogant seine Nase nach oben, schaut in die Luft und ├╝bersieht all die Menschen, die im Mittelmeer versinken m├╝ssen. Hauptsache es geht einem selber gut. Hauptsache Europa kann sich entspannen. Hauptsache die Sterbenden sind keine Europ├Ąer.

Europa macht Fl├╝chtlingspolitik

ÔÇ×Wir schaffen dasÔÇť, sagt Europa und geht gehen Schleuser vor und schottet sich lieber ab. Wie ein kleines Kind, das niemanden in sein Kinderzimmer lassen will. Die eigenen Spielzeuge teilt es nicht gerne. Und es weint, wenn ein Fremder zu nahe kommt. Europa macht stattdessen Politik: Redet nach einer Katastrophe ├╝ber m├Âgliche Ma├čnahmen, l├Ąchelt und winkt in die Kamera. Die n├Ąchste Terminsitzung findet wieder statt, wenn hunderte Menschen im Mittelmeer ertrinken. Europa k├╝mmert sich lieber darum, die eigenen Grenzen zu sichern. Denn es gibt nichts Wichtigeres als einen Zaun um die eigene Arroganz und Intoleranz zu bauen.

Menschen zweiter Klasse

Europa ist zur├╝ck in die Vergangenheit gereist. In Zeiten, in denen es noch Menschen zweiter Klasse gab. In Zeiten der Sklaverei und Ausbeutung. Europa sieht sich als etwas Besseres. Denkt, dass es zu den ÔÇ×Auserw├ĄhltenÔÇť geh├Ârt, die einen Zaun um seine heiligen St├Ądte bauen m├╝ssen. Das St├╝ck Erde, ein bisschen Dreck und Gr├╝nzeug, ist wichtiger geworden als Menschenleben. Europa versucht seine Festung aus Intoleranz aufrechtzuerhalten.

Europa pokert mit Menschenleben

Europa schafft sich ab. Und setzt seine Werte aufs Spiel. Mit Menschenleben pokert es, als seien es wertlose Seelen - die es f├╝r ein paar Cent verkauft. Europa ist wie ein kleines arrogantes Kind, das j├Ąmmerlich weint, weil es nicht teilen m├Âchte. Es heult und heult, weil es im ├ťberfluss lebt und vergiss dabei seine Werte: Das Recht auf Leben und Sicherheit.



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