18. Januar 2015  00:00

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Schreiner

Aus einem anderen Holz geschnitzt

Fabio Guder ist weder Schreiner noch Zauberer. Trotzdem schraubte er in knapp acht Wochen die Möbel für das Bang Bang Burgers and Beer zusammen. Einfach weil es ihm Spaß macht und er Talent dafür hat. Für die Tische mit Ecken und Kanten bekommt Guder eine saftige Belohnung.

Von Jan Kawelke

Auf dem schmalen Tisch vor Fabio Guder liegt ein rotes Ledernotizbuch. Mit seinen kräftigen Fingern blättert er durch die Seiten, bekritzelt mit Skizzen, beschriftet mit Maßen. Eine Mischung aus Möbelkettenzettel und Zauberbuch, auch wenn der 24-Jährige beteuert, dass hinter dem Tische bauen „nun wirklich keine Magie steckt.“ Eigentlich arbeitet Guder als Kinderpfleger, das Schreinern ist nur ein Hobby. „Ein paar Sachen hab ich auf der Waldorfschule gelernt. Den Rest hab ich mir selbst beigebracht.“ Offenbar liegt ein gewisses Talent für handwerkliche Arbeit in der Familie. Guders jüngerer Bruder schließt in diesem Jahr seine Tischlerlehre ab. Vielleicht arbeiten die Geschwister irgendwann als kleines Familienunternehmen zusammen. Aber so weit ist noch nicht. „Natürlich, es wäre ein Traum mal davon leben zu können“, sagt Guder und nippt an seiner Szenelimonade: „Aber zur Zeit ist es einfach ein schönes Hobby.“

::Ihr habt keine Wahl ::

Was Guder von anderen unterscheidet, ist, dass er es anpackt. Ob nun an Gründer und kreativer Kopf von der Modemarke Björn Clothing oder als Über-Nacht-Schreiner. Guder ist ein Macher. „Lass einfach selber bauen. Ihr habt eh keine Wahl“, hatte Guder damals gesagt, als er die verzweifelten Ladenbesitzer in ihrer Wohnung besuchte. Dort saßen sie, zwei Monate vor Eröffnung, in Mitten von gerauften Haaren und ausgemalten aufgemalten Möbeln, aber ohne Umsetzungsidee.

::Keiner geht über die Planke::

Guder plante, zeichnete, organisierte. Nach seiner Arbeit als Kinderpfleger fuhr er in den Burgerladen, sägte, werkelte und dirigierte seinen Freundeskreis. „Dann hat man sich mit einem Kasten Bier getroffen und direkt hier im Laden losgelegt“, sagt Guder und zeigt mit dem Finger zum Eingangsbereich. Wenn Guder von der Gelsenkirchener Szene redet, beschwört er ein dunstiges Kollektiv herauf. Künstler, Gastronomen und Designer, die engverzahnt arbeiten. Keine Konkurrenz oder Splittergruppen, sondern ein Konglomerat aus Kreativen, die ein Gelsenkirchen zusammenzuschrauben, das sie in ihrer Jugend vermisst haben. „Früher mussten alle aus der Stadt raus, um etwas zu erleben außer graue Wände“, sagt Guder: „Jetzt ist besser.“

::Kein Kiez nach Baukastenprinzip::

Die Tische sind aus gebrauchten Bohlen vom Gerüstbau zusammengeschraubt, die Stühle wild gewürfelt. Draußen liegen Europaletten und Planken auf Fritz-Cola-Kästen. Das Bang Bang Burgers & Beer wäre im tiefsten Kreuzberger Kiez kein Fremdkörper. Aber der Burgerladen trägt kein Szenecamouflage sondern Handschrift. Erdacht von der Bochumer Designfirma Prinzträger, geschrieben mit Guders Schwung. „Ich mag diesen Stil“, sagt Guder und dreht seinen Kuli in der Hand. „Meinetwegen könnte in meinem Wohnzimmer auch eine Palette mit Kissen liegen.“

Die Möbel für das Bang Bang Burger and Beer zu bauen, war ein Freundschaftsdienst. Ein Zufall, der für alle beteiligten zum Glücksfall wurde. Man kann sich allerdings eine schlechtere Bezahlung vorstellen, als lebenslange Gratisburger.



Bisherige Kommentare

SCHWARZ, Bernd   25.01.2016, 10:52:05 Uhr

Hallo Fabio,

Du wolltest Dich mit mir in Verbindung setzen---

Per E-Mail würd`s gut klappen.

Viele Grüße

Bernd



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InfoBox

Guder geht es bei seinen Arbeiten nicht um perfekte handwerkliche Tischlerarbeiten, sondern um den Do-It-Yourself-Gedanken.

Fabio Guders Projekt-Facebookseite ALTBACKEN

Verantwortlich für das Design: Prinzträger aus Bochum

Facebookseite vom Bang Bang Burgers and Beer

Fabios Modemarke Björn Clothing

Fabio Guder gibt Einblick in sein rotes Notizbuch

Das Interieur ist bereits auf seine Partytauglichkeit getestet worden.

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