07. Juni 2014  08:00

Kommentieren

Prostitution in Gelsenkirchen

"Schon der Anblick ist eine Zumutung"

Benutzte Kondome, schmutzige FeuchttĂŒcher und Kot-Reste. Die Vorstellung von einem gemĂŒtlichen Waldspaziergang sieht anders aus. Doch die Prostituierten an der MĂŒnsterstraße sind wohl nicht nur eine Gefahr fĂŒr die angrenzende Natur.

Von Benjamin Held

Das Naturschutzgebiet rund um den Ewaldsee ist eigentlich ein sehr idyllischer Ort und ein beliebtes Ziel fĂŒr FamilienausflĂŒge. Meik Slomma kommt gerne mit seinem Sohn hierher, um dem Jungen das Fischen beizubringen. „Dieser See ist schön und vor allem abgelegen,“ so der 46-JĂ€hrige. „Hier kann man wirklich noch in Ruhe angeln. Aber wenn man dann mitten in einem Haufen von Kondomen und noch ekelhafteren RĂŒckstĂ€nden steht, macht das auch keinen Spaß mehr.“ Bei dem Wort „Kondom“ hĂ€lt er seinem kleinen Sohn die Ohren zu und es ist deutlich zu sehen, dass er sein Kind dieser ganzen Situation nicht aussetzen will. Der Frust steht ihm ins Gesicht geschrieben.

:: Anwohner beschweren sich ĂŒber Verhalten der Prostituierten ::

Die Quelle der RĂŒckstĂ€nde ist nicht schwer zu finden. WĂ€hrend Slomma am Ewaldsee nach Fischen angelt, versuchen zahlreiche Prostituierte auf der anderen Straßenseite der MĂŒnsterstraße mĂ€nnliche Autofahrer zu angeln – doch das stĂ¶ĂŸt vielen Anwohnern sauer auf. „Die Anwohner aus den anliegenden Wohnsiedlungen haben sich massiv beschwert, und das zu Recht,“ erzĂ€hlt Martin Schulmann, Pressesprecher der Stadt Gelsenkirchen. Grund sei das zum Teil sehr aggressive Auftreten der Damen. „Die Prostituierten drĂŒcken immer wieder die Knöpfe fĂŒr FußgĂ€nger, damit die Autofahrer rote Ampeln haben und stehen bleiben mĂŒssen,“ so Schulmann. „Wenn die Autos dann stehen, klopfen sie an die Scheiben und drĂ€ngen sich auf.“

:: GefÀhrliche Verkehrssituation ::

Mit diesem Auftreten hat auch Heike Hilbrand schon ihre Erfahrungen gemacht. Sie wohnt in der angrenzenden Ewald-Siedlung und fĂ€hrt die MĂŒnsterstraße tĂ€glich bis zu vier Mal entlang. Ihr Standpunkt ist klar. „Wie viele Unterschriften wollen Sie haben?,“ sagt sie, in der Hoffnung auf eine Protestaktion. Auch ihr kann man die Wut ĂŒber die Prostituierten ansehen. „Ich hab dafĂŒr nur ein Wort: Grauenvoll!,“ sagt die 50-JĂ€hrige und verschrĂ€nkt demonstrativ die Arme. Doch damit meint sie nicht nur die Prostituierten selbst. „Der Anblick an sich ist schon eine Zumutung, aber davon abgesehen wird auch die Verkehrssituation sehr gefĂ€hrlich.“ GefĂ€hrlich, weil Autos unverhofft bremsen wĂŒrden, auf der Straße anhielten, weil die Fahrer die Frauen angafften oder mitten auf der Fahrbahn wenden wĂŒrden, weil eine Dame gewunken habe.

:: VerrichtungsgelÀnde nach Essener Vorbild ::

Aufgrund der vielen Beschwerden bemĂŒht sich die Stadt Gelsenkirchen um eine Lösung. „Unser Ziel ist es, ein VerrichtungsgelĂ€nde nach Essener Vorbild zu schaffen,“ erklĂ€rt Schulmann. Dabei soll ein Ort gefunden werden, an dem die Prostituierten ihrem GeschĂ€ft unter stark verbesserten Bedingungen nachgehen können. „Wir suchen jetzt eine Stelle, die am unschĂ€dlichsten ist und wo wir fĂŒr eine gewissen Hygiene sorgen können, die im Wald ja nicht gegeben ist,“ so Schulmann. Außerdem soll sie möglichst abgeschottet sein, um Angst vor ZuhĂ€ltern zu vermeiden.

:: Ein Handeln aus großer Not heraus ::

Denn die Damen, um die es sich handelt, stĂŒnden dort aus großer Not heraus. „Die MĂŒnsterstraße ist schon seit langer Zeit ein Ort fĂŒr Prostitution gewesen,“ erzĂ€hlt Schulmann. „Seit zum Teil 20 Jahren standen dort die gleichen Damen, die fielen auch nicht auf.“ Doch das Klientel jetzt kĂ€me aus SĂŒdosteuropa, wie Bulgarien oder RumĂ€nien und handele laut Schulmann unter dem Zwang der ZuhĂ€lter, was das aggressive Auftreten der Damen erklĂ€ren könne.

:: Ein altes Gewerbe ::

Doch nicht jedem Anwohner sind die Damen ein Dorn im Auge. Eine SpaziergĂ€ngerin, die keine Angaben zu sich machen wollte, fĂŒhrt ihren Hund tĂ€glich am Ewald-See Gassi. „Das ist doch ein altes Gewerbe ,“ sagt die Dame und zuckt mit den Schultern. „Wir mĂŒssen alle unser Geld verdienen und solange die MĂ€dchen nicht minderjĂ€hrig sind, ist doch alles in Ordnung.“

:: "Schön wÀre vielleicht woanders" ::

Auch Meik Slomma zeigt VerstĂ€ndnis fĂŒr die Situation der Damen. „An und fĂŒr sich ist das ja okay, Prostitution ist ja nicht verboten,“ so Slomma. „Schön wĂ€re aber vielleicht nicht ausgerechnet hier am See.“ Doch er weiß auch, dass es nicht ausreichen wĂŒrde, die MĂŒnsterstraße zum Sperrbezirk zu erklĂ€ren. Seiner Meinung nach, fĂŒhre das nur zu einer Problemverschiebung. „Wenn die nicht hier stehen, stehen sie halt woanders.“

:: Suche gestaltet sich schwierig ::

Vor diesem Problem steht auch die Stadt Gelsenkirchen. „Es ist schwierig, einen geeigneten Ort zu finden,“ erklĂ€rt Schulmann. „Egal in welche Richtung man geht, es wird immer einen BĂŒrger geben, der dagegen klagt, dass so etwas in seiner Nachbarschaft entsteht.“ Die Suche dauert noch an und bis ein geeigneter Ort gefunden ist, werden die Prostituierten an der MĂŒnsterstraße weiter fĂŒr Frust und Ärger sorgen. Denn dass sich die Anwohner mit der jetzigen Situation anfreunden könnten, bleibt zu bezweifeln.



Bisherige Kommentare

Bala   13.02.2016, 18:25:36 Uhr

Was mir ja vor allem nicht in den Kopf will: Hulu funktioniert in den USA zicimleh gut und erzielt bei den Simpsons wohl schon hf6here Tausender-Kontakt-Preise als die normale TV Ausstrahlung (ist zwar trotzdem ein c4pfel- & Birnen-Vergleich). Das beffcrchtete Schwenk auf Bezahlcontent ist dort bis jetzt ebenfalls noch nicht gekommen, da die Verantwortlichen dort wahrscheinlich genug Realite4tssinn haben um zu erkennen, dass die Kunden nur deswegen Hulu besuchen, da es bequem ist, die Folgen quasi sofort starten und die Werbung sich in einem sehr ertre4glichem Rahmen he4lt (sind maximal 4-5 Minuten auf eine 40 Minuten Folge, meistens deutlich weniger). Sobald man daffcr Geld verlangen wfcrde, we4ren die Kunden aber weg und wieder auf den einschle4gigen Seiten.Wenn man jetzt dieses Hulu-Konzept weltweit durchziehen wfcrde und die aktuellen Folgen (evtl. noch kombiniert mit Serien aus anderen Le4ndern wie z.B. Grodfbritannien) ffcr 3-4 Wochen mit lokaler Werbung online bereitstellen wfcrde, we4re die Hauptmotivation der Torrent-Downloader (zeitlich schnelle Verffcgbarkeit) weg und ich sche4tze, dass es zumindest in den Nicht-Englischsprachigen Le4ndern noch nicht einmal zu einem nennenswerten Einbruch bei den Einschaltquoten kommen wfcrde, da die Zielgruppe eines derartigen Angebots bereits jetzt am runterladen ist. In den englischsprachigen Le4ndern mag es Quoteneinbudfen geben, allerdings sind dort dann auch die Online-Abrufe hf6her, was in hf6heren Werbeeinnahmen resultieren dfcrfte. Der Vorteil we4re insgesamt aber, dass durch die Werbung Erlf6se erzielt werden, die es bis jetzt gar nicht gibt.Bis diese Denkweise aber in den Medienfirmen wirklich Fudf gefasst hat, wird es wohl leider noch einige Zeit dauern.2,49ñ‚¬ sind mir auf jeden Fall zuviel und ich kann auch locker warten, bis die neuen Staffeln in den USA auf DVD verffcgbar sind. Derzeit arbeite ich z.B. die letzte US Season auf DVD ab (Grey\'s Anatomy, 24, Heroes, etc.), bin zeitlich immer noch halbwegs vor der deutschen Ausstrahlung und bezahle im Durchschnitt gerade mal 1 Euro pro Folge, die ich mir in den ne4chsten Jahren noch he4ufiger angucken kann.



Artikel kommentieren

Ihr Name? (erforderlich)


Ihre E-Mail-Adresse? (erforderlich, wird nicht veröffentlicht)


Ihr Kommentar?



 
 

Hier ist es

InfoBox

Der Haupt-, Finanz-, Beteiligungs- und Personalausschuss der Stadt Gelsenkirchen legte in einer Sitzung am 27.03.2014 kurz-, mittel- und langfristige Maßnahmen fest:

1. Kurzfristige Maßnahmen:

TĂ€glich soll der Kommunale Ordnungsdienst in zwei Streifen (sowohl zivil als auch uniformiert) die MĂŒnsterstraße kontrollieren.

2. Mittelfristige Maßnahmen:

Aufgrund der angespannten Situation soll eine Zwischenlösung angestrebt werden. Dabei wird geprĂŒft, ob eine neue Toleranzzone im öffentlichen Straßenraum eingerichttet werden kann, auf die sich die Straßenprostitution vorrĂŒbergehend beschrĂ€nken lĂ€sst.

3. Langfristige Maßnahmen

Ein VerrichtungsgelÀnde nach Essener Vorbild, wo die Prostituierten unter sozialer Betreuung und verbesserten hygienischen Bedingungen ihrer Arbeit nachgehen können.

Der Ewaldsee ist ein beliebtes Ziel fĂŒr FamilienausflĂŒge und SpaziergĂ€nge.

Die Hinterlassenschaften der Prostituierten sind Meik Slomma ein Dorn im Auge.

Wo man auch hinschaut, ĂŒberall findet man benutzte Kondome.

Die Hinterlassenschaften der Prostituierten: FeuchttĂŒcher und Kondomverpackungen.

Die MĂŒnsterstraße soll zum Sperrbezirk werden. Doch was ist die Alternative?

Die Damen stehen bereits in den Mittagsstunden an der MĂŒnsterstraße und werben um Kundschaft.

Der Park&Ride-Platz an der Autobahnabfahrt der A2. Hier halten viele MĂ€nner fĂŒr ein kurzes VergnĂŒgen.

Ja, auch diese Webseite verwendet Cookies. Hier erfahrt ihr alles zum Datenschutz