23. Oktober 2013  09:53

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Patrick Draxler

Besser keine Hochrechnungen

Krasser könnte der Gegensatz kaum sein: Sein kleiner Bruder Julian ist millionenschwerer Fußballprofi, Patrick Draxler indes geht jeden Tag seinem Maschinenbau-Studium an der WestfĂ€lischen Hochschule nach. Zuletzt lebten die Geschwister gemeinsam in einer WG - bis es Probleme gab.

Von Felix Groß

Seinen Taschenrechner, den er sonst nur fĂŒr das Maschinenbau-Studium an der WestfĂ€lischen Hochschule in Gelsenkirchen benötigt, lĂ€sst der 24-jĂ€hrige Patrick bei GesprĂ€chen ĂŒber seinen kleinen Bruder dann doch lieber im Rucksack liegen. „Mit Hochrechnungen, wie lange ich oder unser Vater arbeiten mĂŒssten, um auf seinen Verdienst zu kommen, sollten wir lieber gar nicht erst anfangen“, sagt Patrick lachend. Denn sein kleiner Bruder ist ein großer Star: Julian Draxler. Der Top-Mann des FC Schalke 04, der deutsche Fußball-Nationalspieler, der Millionenverdiener, dessen Karriere als 17-JĂ€hriger mit einem Tor im DFB-Pokal gegen NĂŒrnberg begann, sich seither rasend schnell und fast wie im MĂ€rchen entwickelt hat. Mittlerweile ist Julian sogar im Visier europĂ€ischer Top-Clubs.

VerrĂŒckt, dieser Fußball. Schön verrĂŒckt.

:: Richtiger Schritt, auf Schalke zu bleiben ::

Patrick gibt das gerne zu: In welch‘ schwindelerregende Dimensionen sich die GehĂ€lter und Ablösesummen fĂŒr Profifußballer mittlerweile geschraubt haben, das sei schon etwas „irre“. Sein Bruder, der als 20-JĂ€hriger seit nunmehr zweieinhalb Jahren im professionellen GeschĂ€ft mitmischt, konnte den Offerten im Sommer, bei denen ihm teilweise 60 Millionen Euro Gehalt geboten wurden, (noch) widerstehen. „FĂŒr Julian war es der richtige Schritt, hier zu bleiben“, sagt Patrick: „Hier hat er doch alles, was er braucht.“

Und vielleicht war es auch gar nicht so verkehrt, dass die Geschwister zuletzt rund eineinhalb Jahre lang gemeinsam in einer Wohnung in Gelsenkirchen-Buer gelebt haben. Nicht, weil der große Bruder ein wachsames Auge auf Julian hĂ€tte werfen mĂŒssen – seine Entwicklung zum professionell auftretenden Fußballer, auch in der Öffentlichkeit, hatte sich ja ohnehin fast wie von selbst Ă€ußerst rasant und problemlos vollzogen. Vielmehr bestand durch das Verbleiben im gewohnten Umfeld, bei engen Vertrauten, nie die leiseste Gefahr des Abhebens. „Wenn du jeden Tag ein Beispiel vor Augen hast, was Normalverdiener fĂŒr einen Bruchteil deines Gehalts tun“, meint der sympathische und aufgeschlossene 24-JĂ€hrige, „wenn du mitbekommst, dass dein Vater jeden Morgen um sechs Uhr aufsteht, dann weißt du das auch eher zu schĂ€tzen.“ Und genau deshalb habe man seinen Bruder auch nie ernsthaft ins Gebet nehmen mĂŒssen: „Er denkt sowieso ĂŒber jeden Schritt nach, fragt sich: Welche öffentlichen Auswirkungen könnte das fĂŒr seinen Beruf haben?“

:: Getuschel bei der Anwesenheitskontrolle ::

Dass der nicht allzu hĂ€ufige Familienname mittlerweile nicht nur national, sondern wegen zahlreicher „Champions League“-EinsĂ€tze und Nationalspiele auch international bekannt ist, bemerkte Patrick auf Ibiza, wo er gemeinsam mit Julian seinen Sommerurlaub verbracht hatte. „Das ist schon Wahnsinn. Er wird ĂŒberall erkannt. Die Leute stehen dann da mit ihren Smartphones und du weißt ganz genau: Der schreibt jetzt gerade sicher keine SMS.“ Wenn Patrick indes alleine unterwegs ist, wird er wenig bis gar nicht erkannt: Denn die BrĂŒder weisen kaum eine frappierende Ähnlichkeit auf. Bei Anwesenheitskontrollen in der Uni allerdings wĂŒrden die meisten dann doch hellhörig, erzĂ€hlt er: „Wenn mein Name genannt wird, geht meistens das Getuschel los.“

In Australien hatte Patrick dieses Problem zuletzt nicht, denn dort verbrachte er die letzten zwei Monate. FĂŒr die Praxisphase seines Studiums ging es an die WestkĂŒste, nach Perth: Zum Ölkonzern BP, fĂŒr dessen Gelsenkirchener Ableger er wĂ€hrend seines dualen Studiums ebenfalls arbeitet. Eine Klasse-Erfahrung sei das gewesen, sagt Patrick, der die Gelegenheit nutzte und gleich mal noch zwei Wochen Urlaub angehĂ€ngt hat. Seit Anfang Oktober ist er nun wieder in Deutschland – und weil momentan Klausurphase ist, muss Patrick viel lernen, verbringt so manche Stunde in der Hochschule.

:: „RĂ€umliches Problem“ in der Draxler-WG ::

Die war im Übrigen auch (zumindest indirekt) der Grund dafĂŒr, dass Julian und Patrick ihre WG im Juni diesen Jahres wieder aufgelöst haben. „Wir hatten ein rĂ€umliches Problem“, muss der 24-JĂ€hrige schmunzeln: „Uns fehlte einfach ein Zimmer, in das ich meinen Uni-Kram und Julian seine Souvenirs, getauschten Trikots und Medaillen hĂ€tte hinpacken können. Am Ende hatten wir dann halt keinen Esstisch mehr, weil alles darauf gelandet ist. Es war nicht schmutzig bei uns, aber doch etwas unaufgerĂ€umt.“

Patrick fĂŒhrt zwar ein gĂ€nzlich anderes, deshalb aber gewiss nicht weniger ehrbares (Berufs-)Leben als sein Bruder. „Wer mich fragt, ob es mich stört, dass Julian so erfolgreich ist“, findet er klare Worte, „der ist dĂ€mlich.“ Denn eine solche Frage impliziere, dass Patrick eben keinen Erfolg habe: „Dabei habe ich einfach nur einen anderen Weg eingeschlagen.“ Richtig stolz ist er natĂŒrlich dennoch auf Julian: "Es gibt doch nichts Geileres."

:: FĂŒr den Auslandsaufenthalt legte Patrick eine Fußball-Pause ein ::

Weil das Studium langsam auf sein Ende zusteuert und das Berufsleben immer nĂ€her rĂŒckt, hat „Paddy“ wegen des Auslandsaufenthalts zuletzt sogar eine freiwillige Pause vom Fußball eingelegt. „Vor drei Jahren hĂ€tte ich das wohl noch nicht gemacht“, sagt Patrick, der zuletzt beim Landesligisten TuS Haltern (dort kickt auch Ex-Schalke-Profi Christoph Metzelder) aktiv war. Allerdings, und dessen war sich auch Patrick bewusst, macht sich eine zweimonatige AuslandstĂ€tigkeit bei einem Weltkonzern wie BP im Lebenslauf dann wohl doch besser als zwei Monate Fußball auf Hobbyebene.



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:: Die Edelfan-Kolonne kommt stets im Touareg ::

Patrick unterstĂŒtzt seinen Bruder auch im Stadion, wo er nur kann: Heimspiele sind fĂŒr den Schalke-Fan Pflicht, und auch auswĂ€rts nimmt er gern die eine oder andere Tour auf sich. Dann packt Patrick den gerĂ€umigen Dienstwagen von Julian voll, schließlich passen vier zusĂ€tzliche Freunde in den gerĂ€umigen VW Touareg.

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Patrick Draxler trÀgt hier eines der ersten LÀnderspiel-Trikots seines Bruders Julian.

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